Fructosefreie Zuckeralternativen

Wenn man hört, dass sich jemand größtenteils zuckerfrei ernährt, denkt man zwangsläufig, dass er nie wieder etwas Süßes essen kann. Nie wieder Pudding, Kuchen oder Kekse. Dabei ist das ein großer Trugschluss. Die Kunst besteht darin, gute Alternativen zu finden, die Intensität der Süße etwas zurückzufahren und Kuchen und Co. als etwas Besonderes, nicht Alltägliches zu sehen. Ich verwende meist eine Kombination der verschiedenen Süßungsmittel, da jede für sich ihre Besonderheiten hat.
Vorab muss jedoch gesagt werden, dass man keine der Zuckeralternativen mit dem Geschmack von Zucker vergleichen kann. Deswegen sollte man auch nicht mit diesem Anspruch an das Testen der Alternativen rangehen. Nichts wird jemals genauso schmecken wie die bekannte Nuss-Nougat-Creme oder die süße Marmelade von Oma. Aber es geht auch nicht darum, etwas 1:1 zu ersetzen, sondern seinen Geschmackssinn langsam wieder zu neutralisieren und eben Alternativen zu finden.
Alle fructosefreien Alternativen haben eine geringere Süßkraft als Zucker, da die Fructose sonst die süßende Kraft ist. Deshalb schmeckt zwischendurch einfach ab, ob die Süße für euch ausreichend ist.

Geeignete Zuckeralternativen

Reissirup

ReissirupReissirup ist quasi der Honig der Fructoseintoleranten. Während in Honig jedoch bis zu 40% Fructose enthalten sind, ist der Reissirup komplett fructosefrei.
Er besteht aus fermentiertem gekochtem Reis. Reissirup enthält Mehrfachzucker, für dessen Verarbeitung der Körper mehr Zeit braucht. Somit lassen sie den Blutzuckerspiegel nicht so rasant ansteigen.
Ich verwende Reissirup fast überall. Bei der Verwendung sollte man jedoch beachten, dass man dem Gericht dann etwas weniger Flüssigkeit hinzufügen sollte, da der Reissirup ja im Gegensatz zu Zucker zähflüssig ist. Zudem hat er eine geringere Süßkraft als Zucker. Also kostet einfach zwischendurch mal, ob auch die gewünschte Süße erreicht ist.
Reissirup findet man glücklicherweise mittlerweile nicht nur in Biomärkten, sondern auch in Drogeriemärkten. Dort gibt es sowohl hellen als auch brauen Reissirup. Der helle kommt beispielsweise bei meinem Reissirup-Sirup im Gin Fizz zum Einsatz.

Heller Reissirup vs brauner Reissirup

Heller Reissirup schmeckt recht neutral süß, während der braune Reissirup einen leichten Eigengeschmack hat.

positiv: 
  • wird durch den Mehrfachzucker langsamer verarbeitet
  • vielseitig einsetzbar
  • gibt es in weißer und brauner Version
  • Reich an Mineralstoffen wie Eisen, Magnesium & Kalium
negativ:
  • meist nicht im Supermarkt auffindbar
  • beeinträchtigt die Konsistenz des Teiges
Wo kann man es kaufen?
  • in Bioläden
  • in vielen Drogeriemärkten
  • online
Tipp:
  • falls es Zucker ersetzen soll: die Flüssigkeitsmenge um ca. 10% reduzieren
Verwendung:
  • fast überall einsetzbar, sowohl fürs Backen als auch Kochen
  • über Naturjoghurt
  • bei Keksen mit einem relativ trockenen Teig (bspw. Mürbeteig), der ohnehin kaum Flüssigkeit enthält, sollte nicht ausschließlich Reissirup verwendet werden, da dieser den Teig zu flüssig machen könnte
Rezepte mit Reissirup:

Dinkelsirup

Für die Herstellung von Sirup wird die Stärke des Dinkels in Mehrfachzucker gespalten. Das heißt, ähnlich wie der Reissirup, lässt auch der Dinkelsirup den Blutzuckerspiegel nicht ganz so rasant ansteigen wie Traubenzucker oder Dextrose. Er hat jedoch einen sehr malzigen Geschmack, den man mögen muss. Verwendet werden kann er prinzipiell genau so wie Reissirup.


Tapiokasirup

Tapiokasirup wird aus der Maniok-Pflanze gewonnen und ist ebenfalls fructosearm bis -frei. Er hat einen recht neutralen süßen Geschmack und kann somit vielfältig verwendet werden. Er besteht auch zu einem großen Teil aus Mehrfachzuckern, die langsamer ins Blut gehen. Er kann genauso verwendet werden wie Reissirup.

Sehr gute Erfahrungen habe ich mit dem Tapiokasirup von frusano gemacht. Es gibt jedoch auch noch andere Varianten des Sirups, die wesentlich mehr Ballaststoffe enthalten. Diese können je nach Menge Probleme auslösen. Wenn mit “ballaststoffreich” und “nur 2g Zucker” geworben wird, würde ich vor allem in der Anfangsphase noch Abstand davon nehmen.


Traubenzucker

TraubenzuckerTraubenzucker ist wohl die bekannteste fructosefreie Zuckeralternative. Es handelt sich dabei um reine Glucose. Jedoch enthält er zusätzlich auch noch Wasserkristalle. Das heißt, man benötigt auch hier weniger Flüssigkeit, da die Wasserkristalle gebunden werden.  Zudem muss man sehr aufpassen, wenn man mit Traubenzucker bäckt. Das Gebäck wird wesentlich schneller braun und kann sehr schnell verbrennen. Auch deshalb verwende ich beim Backen oft lieber Getreidezucker.
Bei einer Fructoseintoleranz machen ja vor allem die GLUT-5-Transporter Probleme. Diese transportieren die Fructose in den Körper und funktionieren bei einer Fructoseintoleranz nicht richtig. Deshalb wird die Fructoseintoleranz auch Fructosemalabsorbtion genannt. Durch Glucose wird die Aufnahme von Fructose etwas verbessert, sodass viele Betroffene Obst noch mit etwas Traubenzucker bestreuen.
positiv:
  • gibt es fast überall zu kaufen
  • günstig
  • liefert schnell Energie
  • kann bei der Verarbeitung von Fructose helfen
negativ:
  • lässt Blutzucker schnell ansteigen
  • wird beim Backen schnell dunkel
  • beeinträchtigt die Konsistenz des Teiges
Wo kann man es kaufen?
  • Supermärkte und Discounter
  • Bioläden
  • Drogerien
Tipps:
  • beim Backen: Das Gebäck immer Auge behalten und eventuell mit Alufolie abdecken
  • falls es Zucker ersetzen soll: weniger Flüssigkeit verwenden
Verwendung:
  • jedes Gebäck, sei es Kuchen, Kekse oder Muffins
  • wenn möglich in der Kombination mit Reissirup
  • als “Starthilfe” für Hefeteige
Rezepte mit Traubenzucker:

Getreidezucker

Getreidezucker
Getreidezucker wird nicht, wie man es vielleicht vermuten würde, aus Getreide, sondern aus Mais hergestellt. Er ist nichts anderes als getrockneter Glucosesirup. Jedoch nicht zu verwechseln mit dem High-Fructose-Corn-Syrup bzw. dem Mais-Sirup, der derzeit in den USA große Erfolge feiert. Dieser ist voll mit Fructose.
Im Gegensatz zum Traubenzucker enthält der Getreidezucker weniger Wasserkristalle, sodass er so ziemlich die gleichen Koch- und Backeigenschaften wie Zucker hat.
Aufgrund der reinen Glucose geht der Getreidezucker auch schneller ins Blut. Ich verwende meist nicht so große Mengen davon. Deshalb hält sich dieser Effekt hier noch in Grenzen.
Ich versuche oft den Getreidezucker mit etwas Reissirup zu mischen, da ich persönlich oft den Eindruck habe, dass das Gebäck sonst eine leichte bittere Note erhält. Von anderen Essern hab ich diesen Eindruck jedoch noch nicht bestätigt bekommen.
positiv:
  • gleiche Koch- und Backeigenschaften wie Zucker
  • liefert schnell Energie
  • kann bei der Verarbeitung von Fructose helfen
negativ:
  • lässt Blutzuckerspiegel schnell steigen
  • kann eventuell einen etwas bitteren Nachgeschmack haben
  • kann beim Verzehr zu großer Mengen abführend wirken
Wo kann man es kaufen?
  • in großen Supermärkten oder online (bspw. von Frusano)
  • in Bioläden
  • in Drogerien
Tipps:
  • wenn möglich mit Reissirup mischen, damit der Blutzuckerspiegel nicht zu schnell ansteigt
Verwendung:
  • jedes Gebäck, sei es Kuchen, Kekse oder Muffins
  • wenn möglich in der Kombination mit Reissirup
Rezepte mit Getreidezucker:

Weniger geeignete Zuckeralternativen

Süßungsmittel und Zuckeralkohole

Süßungsmittel und Zuckeralkohole können viele Namen haben. Die bekanntesten Zuckeralkohole sind vermutlich: Sorbit, Mannit, Xylit und Erythrit. Die meisten Süßungsmittel sind zahnfreundlich und vor allem kalorienarm, sodass sie oft in Light-Produkten als Zuckerersatz verwendet werden.
Der Nachteil von Zuckeralkoholen jedoch ist, dass sie die Gesundheit des Verdauungssystems beeinträchtigen können. Denn sie sind größtenteils schwer verdaulich und ziehen Wasser in den Verdauungstrakt. Das kann dann zu Bauchschmerzen und Durchfall führen. Und gerade bei einer Fructoseintoleranz besteht der Verdacht, dass Süßstoffe die Transportproteine blockieren und so noch weniger Fructose transportiert werden kann.
Und dazu kommt noch etwas, dass uns alle betrifft: wir täuschen unser Gehirn. Das Gehirn benötigt Glucose, um seinen Energiebedarf zu decken und funktionsfähig zu sein. Man erinnere sich nur an den Tipp mit dem Traubenzucker (nichts anderes als Glucose) zur Steigerung der Konzentration 😉 Es zieht sich somit ständig Energie in Form von Glucose aus dem Körper. Wenn diese nicht mehr ausreichend vorhanden ist, bekommen wir Appetit, was die Nahrungsaufnahme steigern soll und somit schnell wieder Energie zuführt. Und genau hier können Süßstoffe falsche Informationen überbringen. Über den Geschmackssinn erhält das Gehirn die Informationen, dass Zucker geliefert wird. Das heißt, es stellt den Stoffwechsel um und merkt erst später, das es getäuscht wurde und gar keine Energie bei ihm ankam. Um so etwas zu verhindern, wird der Körper daraufhin mehr Energie in Form von Nahrung fordern. Und das bedeutet ganz schlicht und einfach: Heißhunger!
Das heißt, ob mit einer Intoleranz gesegnet oder nicht: Süßungsmittel sollten wirklich selten und in geringen Mengen verwendet werden.

Nicht geeignete Zuckeralternativen

Datteln, Agavendicksaft und Trockenfrüchte

Alle drei haben gemeinsam, dass sie Unmengen an Fructose enthalten.
Im letzten Jahr wurde der Gedanke des Clean Eatings immer populärer und Medjool-Datteln begannen ihre ganz große Karriere. Der Gedanke dahinter ist, dass Datteln den Blutzuckerspiegel nicht so schnell ansteigen lassen und einige Spurenelemente besitzt. Jedoch enthalten Datteln auch enorm viel Fructose.
Ähnlich verhält es sich mit Agavendicksaft. Dieser besteht bis zu 90% aus Fructose! Kaum zu glauben, dass viele Lebensmittelhersteller sich nun damit brüsten auf Zucker zu verzichten und stattdessen Agavendicksaft verwenden.
Und auch bei Trockenfrüchten sollte man vorsichtig sein. Durch den Trocknungsprozess gehen viele wichtige Inhaltsstoffe verloren. Zurück bleibt die große Menge Fructose. Deshalb schmecken Trockenfrüchte auch immer so enorm süß. Besser das Obst frisch essen. Dann enthält es auch noch Wasser, sodass das Sättigungsgefühl wesentlich schneller einsetzt als bei den Trockenfrüchten.

9 Kommentare

Pierina 9. Februar 2020 - 19:53

Ja, Reissirup kennen wir und das geht gut! Den Getreidezucker probieren wir jetzt dann mal aus..,,

Antworten
Pierina 7. Februar 2020 - 21:39

Danke für deine Antwort! Ja, wir haben festgestellt, dass Reissirup tatsächlich gut geht. Den Getreidezucker kenne ich noch nicht und werde demnächst auch den gerne einmal ausprobieren. Liebe Grüsse, Pierina

Antworten
Anja | Sugarfree Naturally 18. Februar 2020 - 17:27

Ich drücke die Daumen, dass er den Getreidezucker gut verträgt. Ansonsten habe ich letztens auch Reissüße gefunden. Also sozusagen getrocknetenn, kristallinen Reissirup. Ich habe ihn noch nicht ausprobiert, aber vielleicht wäre das auch eine Option für euch.

Viele Grüße,
Anja

Antworten
Pierina 3. Februar 2020 - 14:42

Hallo Anja
Kürzlich bin ich auf deinen Blog gestossen…. ich suche immer wieder nach Rezepten zum anpassen, da mein Mann eine ganz heftige Fructoseintoleranz hat (auch Glucose und Traubenzucker gehen nicht), Ich bin gespannt, was ich bei dir so finde.
Mir ging’s ähnlich mit der unsagbar langen Liste, nur dass sie eben nicht mich direkt betraf, aber mir immerhin den Auftrag erteilte, ich solle doch ab sofort die Fructose bitte danke einfach beim Kochen streichen.
Aber hey, wie du sagst, es kann so unglaublich bereichernd sein, wenn man weiss, was man isst!
Mit lieben Grüssen

Antworten
Anja | Sugarfree Naturally 3. Februar 2020 - 16:33

Hallo Pierina,

vielen lieben Dank für dein Kommentar! Es ist nicht unbedingt überraschend aber trotzdem immer wieder erschreckend, wie man mit dieser Diagnose allein gelassen wird. Deshalb hoffe ich umso mehr, dass du bei mir vielleicht ein paar verträgliche Rezeptideen findest 🙂
Ich find’s toll, wie du dich informierst und nach Rezepten schaust, obwohl du nicht direkt betroffen bist. Denn das ist auch nicht so leicht, wenn man sich quasi für eine andere Person mit einlesen muss. Aber dadurch ernährt man sich wirklich wesentlich bewusster. Es ist zwar anstrengender, aber verkehrt bestimmt nicht 😀

Verträgt dein Mann denn gar keine Glucose oder nur keinen Traubenzucker? Ich hab nämlich schon häufiger gehört, dass Traubenzucker bei manchen Probleme macht, Getreidezucker aber nicht. Obwohl beides Glucose ist. Ich meine den Unterschied bei mir auch zu merken. Ansonsten kann ich Reissirup oder Tapiokasirup auch sehr empfehlen. Beide bestehen zu einem größeren Teil aus Maltose. Und Maltose besteht aus mehreren zusammenhängenden Glucose-Molekülen. Das muss der Körper erstmal aufspalten, sodass es nicht so schnell ins Blut geht. Ist zwar auch Glucose, aber vielleicht ist das eine Alternative?

Liebe Grüße,
Anja

Antworten
Meggy 6. Dezember 2019 - 16:20

Super!! Als ich grade deine Seite gefunden habe, hat mir das viel Kraft gegeben. Leider habe ich keinerlei Tips zu meiner Ernährung bekommen, als “kein Obst mehr”. Habe mir direkt eine heisse Schokolade gemacht 🙂

Antworten
Anja | Sugarfree Naturally 6. Dezember 2019 - 16:33

Hallo Meggy,

vielen lieben Dank für deine Nachricht! Es ist so schön zu lesen, dass ich dir weiterhelfen konnte. Die Umstellung am Anfang ist wirklich nicht ganz so leicht. Ich hatte damals auch nur eine Tabelle in die Hand gedrückt bekommen und sollte “weniger Obst” essen. Keinerlei Erklärung. Danke für absolut Nichts 😀
Ich hoffe du findest hier viele tolle Rezept und Informationen für dich. Lass dir die heiße Schokolade schmecken 🙂

Liebe Grüße,
Anja

Antworten
Alex 31. März 2021 - 9:31

Hallo Anja,
Ich habe mir gerade deinen Blog angeschaut und danke dir für deine Informationen über Fruktoseintolleranz. Ich habe die Diagnose jetzt auch erhalten und habe mich ein bisschen verloren gefühlt. Aber ich freue mich in deinem Blog so viele wertvolle Informationen und auch Rezepte zu lesen. Das hilft mir sehr. Vielen Dank lg Alex

Antworten
Anja | Sugarfree Naturally 31. März 2021 - 23:15

Hallo Alex,

dann erstmal willkommen im Fructo-Team 😉
Ich freu mich, dass dir mein Blog weiterhilft und hoffentlich ein wenig mehr Licht ins Dunkle bringt. Der Anfang ist immer etwas schwierig. Aber wenn man sich einmal eingegrooved hat, wird es auch leichter 🙂

Liebe Grüße,
Anja

Antworten

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Hey, ich bin Anja

Ich bin das Gesicht hinter HOL.EAT und helfe als zertifizierte Ernährungs- und Gesundheitsberaterin Menschen mit diffusen Verdauungsbeschwerden, Unverträglichkeiten oder Reizdarm, wieder ein unbeschwertes Leben zu führen.

Ich habe selbst eine Fructose- und Laktoseintoleranz und kenne die Herausforderungen, die Sorgen und vielen Fragen nur zu gut. Ich zeige dir in meinem Coaching, wie du natürlich und ganzheitlich deine Darmgesundheit wieder in die richtigen Bahnen lenken kannst.

Meine Mission ist es, zu zeigen, dass auch eine angepasste Ernährung lecker, bunt und gesund sein kann und dass man sich selten mit dem Satz "Das ist jetzt halt so" abfinden muss.

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